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Meditation als Zukunftsfähigkeit

Meditation als Zukunftsfhähigkeit?

Stell dir vor du hast eine leere Tasche, in die du all die Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Neudeutsch „Skills” packen darfst, die du für die Zukunft brauchst: Würdest du Meditation bzw. Achtsamkeit mit hineinlegen?

Über diese Frage habe ich mich neulich ausgiebig mit meinem Freund Steffen unterhalten, der zusammen mit seiner Frau Denise den Podcast „Inspiration Journeys” macht.
Die beiden arbeiten als selbstständige Berater und Coaches und beschäftigen sich sowohl mit ihren Klienten als auch privat viel mit den Herausforderungen der modernen, von der Digitalisierung geprägten VUKA-Welt (V = Volatilität, U = Ungewissheit, K = Komplexität, A = Ambiguität). Dabei stellen Sie sich immer wieder die Frage, welche Fähigkeiten wir in Zukunft brauchen werden, um unser Leben unter VUKA-Bedingungen nicht nur zu meistern sondern mit Bravour und Leichtigkeit in ein gutes, selbstbestimmtes, glückliches Leben zu verwandeln.

Steffen und ich kennen uns ursprünglich von der Uni und sind Jahre später unabhängig voneinander in einem Meditationszentrum im Süden Berlins wieder aufeinander getroffen. Die diversen Sessions, die wir dort gemeinsam besuchten, haben noch mal eine ganz andere Ebene der Verständigung geschaffen. So ähnelt das Interview auch eher einem angeregten Gespräch unter Freunden mit ähnlichen Interessen.

Ihr könnt euch die Folge z.B. hier auf Spotify anhören oder bei den diversen anderen Podcast-Dealern eures Vertrauens.

Wenn ihr euch genauer ansehen wollt, was Steffen und Denise sonst so treiben, dann schaut euch doch mal ihre Webseite an.

Meditation als Zukunftsfähigkeit?

Nun aber zurück zur Einstiegsfrage: Ist Meditation ein future skill?
Aus meiner Sicht definitiv! Wobei sie eigentlich kein future skill, sondern ein „presence skill”, also eine Gegenwartsfähigkeit ist 😉 (Ich bin Linguistin, die Bemerkung konnte ich mir nicht verkneifen). Immerhin ist eine ihrer wichtigsten Auswirkungen, dass sie uns nicht zurück in die Zukunft, sondern immer wieder zurück in die Gegenwart holt.
Ich glaube, dass Meditation bzw. Achtsamkeit und Meditation als Tool zur Erlangung einer achtsamen Einstellung zum Leben, zu den allerwichtigsten Zukunftsfähigkeiten überhaupt gehören.

Stellt euch nur mal vor, kleine Kinder, überall auf der Welt, würden in der Schule nicht nur rechnen und schreiben lernen, sondern auch in die Meditation eingeführt. 

Sie würden lernen, dass sie weder ihre Gedanken noch ihre Emotionen sind, sondern dass da noch mehr ist, eine Art Essenz, die nicht aus Gedanken und Gefühlen besteht. Mit dieser Essenz würden sie sich auseinanderzusetzen lernen … Ich glaube, das hätte einen gewaltigen Einfluss auf uns alle und würde uns als Gesellschaft zu wahren Quantensprüngen befähigen.

Glaub nicht alles, was du denkst

Es ist ja so: In der Meditation versuchen wir, aufmerksam wertfrei im Hier und Jetzt zu sein. Anzunehmen, was ist ohne etwas verändern zu wollen oder ständig alles zu kommentieren und in gut und schlecht aufzuteilen. Wer es schon einmal versucht hat, weiß, wie blitzschnell unsere Aufmerksamkeit von unserem Geist abgelenkt und regelrecht gekapert wird. Der Geist denkt sich irgendwelche fiktionalen Stories aus, in die er uns verwickelt und unsere Aufmerksamkeit damit vom Hier und Jetzt abzieht. Manchmal ist es ganz offensichtlich, dass es sich dabei um Stories handelt. Doch bei einigen Glaubenssätzen sehen wir das nicht so klar. Und wenn es uns nicht gelingt, durch Achtsamkeit eine gewisse Distanz zwischen unsere Gedanken und „uns selbst” zu bringen, halten wir diese Gedanken-Konstrukte für die Realität. Was nicht stimmt. „Don’t believe everything you think.”, ich kann’s gar nicht oft genug sagen. 

Das Gefährliche daran ist, dass wenn wir die Gedanken für die Realität halten, wir unser gesamtes Leben damit verbringen, diesen Geschichten hinterher zu rennen, weitere Geschichten auf ihnen auzubauen … Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht und verpassen das „wahre Leben”. Wir sehen die Schönheit im Moment nicht, erkennen das Wunder des Lebens nicht … Im schlimmsten Fall können wir uns selbst und anderen dadurch massiv schaden. Das klingt jetzt alles sehr gruselig. Dabei will ich niemandem Angst einjagen. Und zum Glück gibt es ja auch Hoffnung 🙂

Die Augen schließen um klar zu sehen

Denn durch Meditation kann es uns gelingen, die notwendige und gesunde Distanz zwischen uns und unseren Gedanken-Stories zu etablieren und die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Da gibt es doch diesen schlauen Spruch: Manchmal muss man die Augen schließen, um klar zu sehen.

Wenn wir dran bleiben und regelmäßig meditieren, werden wir irgendwann immer besser darin, die Stories sogar dann zu erkennen und zu entlarven, wenn wir nicht mit geschlossenen Augen auf dem Kissen sitzen.

Life as meditation. Jeder Moment kann achtsam gelebt werden. 

Wenn wir die Hirngespinste hinter uns lassen, wirkt sich das auf allen Ebenen in unserem Leben aus: Wir sind uns selbst und anderen gegenüber liebe- und verständnisvoller. Wir sind weniger angst- und ego-getrieben, sondern leben das Leben, das uns wirklich entspricht und sind dadurch selbstwirksamer und glücklicher. 

Was im Privaten gilt, gilt natürlich auch im Beruf: achtsame Chefs sind verständnisvollere, bessere Chefs. Achtsame Mitarbeiter (die mit achtsamen Chefs arbeiten) sind glücklicher, effektiver und kollegialer. Ganz optimistisch auf die Spitze getrieben, gäbe es so bald keinen Grund mehr für Kriege … Meditation als ultimate Lösung zur Erlangung des Weltfriedens!

Immer diese Schubladen!

Leider ist das momentan noch … ferne Zukunftsmusik.

Was unter anderem auch daran liegt, dass Meditation in vielen Ländern – auch in Deutschland – noch in einigen Schubladen feststeckt, die ihr nicht unbedingt gut tun. Sie wird entweder in die Eso-Ecke gesteckt, als Selbst-Optimierungstool verkauft oder als Gesundheitsangebot angepriesen. All diesen Ansätzen ist gemein, dass sie eher abschrecken als anziehen. Dabei hat Meditation nichts mit Glaube zu tun und mit Leistung und Performance schon gar nicht. 

Ich würde mir wünschen, dass sie noch mehr im Mainstream ankommt und etwas ganz Normales und Natürliches wird, das alle ganz selbstverständlich in ihr Leben einbauen.

Meditation als Flow-State

Übrigens muss Meditation wirklich nicht immer so aussehen wie man es erwartet: Manche Menschen meditieren wenn sie Fahrrad fahren, Klavier spielen oder Abwaschen. Man kann alles meditativ und mit allen Sinnen tun und so einen Flow-State und State of No Mind erreichen. Einen Zustand im Geiste erreichen, in den man sich ganz selbstvergessen und ohne Ziel hinein gibt. Dann ist DAS auch Meditation. 

Über dieses Thema haben Steffen und ich übrigens erstmal ein Weilchen laut nachgedacht.

Wenn du es trotzdem mit der „klassischen Meditation” im Sitzen versuchen willst, bisher aber Schwierigkeiten damit hattest, habe ich an anderer Stelle schon ein paar Tipps für dein einfachen Einstieg in die Meditation geteilt, die ich im Podcast aber noch mal ergänzt bzw. zusammengefasst habe und hier gern mit dir teilen möchte: 

  1. Es darf leicht sein, es muss nicht schwer sein oder gar weh tun. Du musst kein Yogi sein, um zu meditieren. Und wenn es erstmal nicht gelingt, ist das auch kein Beinbruch, denn es geht in der Meditation ja darum, endlich einmal nichts schaffen zu müssen. 
  2. Man kann eine Meditation nicht schaffen. Das Leben ist Teil der Meditation. Es geht nicht darum, eine luftleere Blase zu schaffen, in der nichts mehr ist als Stille. Vielmehr geht es darum, den Moment zu erleben wie er ist. Mit allem, was da ist: Gedanken, Geräusche …
  3. Start small. 5 Minuten reichen schon für den Anfang, solange du regelmäßig dabei bleibst.
  4. Der Einstieg ist für alle schwer und du bist nicht allein mit deinen Schwierigkeiten. 
  5. Sei ehrlich mit dir selbst. Niemand muss sich aufs Kissen zwingen. Vielleicht erlangst du den Flow-State in ganz anderen Momenten. Versuch, so oft es geht, den Autopilot auszuschalten.

Anima sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper

Übrigens ist Meditation auch ganz praktisch gesehen eine echte Zukunftsfähigkeit, weil sie höchstwahrscheinlich dafür sorgt, dass wir länger leben und so noch mehr von besagter Zukunft haben. Sie tut dem Geist gut UND dem Körper. Und das brauchen wir beides, um unsere Zukunft zu genießen.

Immer wieder der Atem

Eine große Rolle spielt dabei der Atem, dem meines Wissens in jeder Meditationstradition der Welt eine zentrale Rolle zukommt. Wenn wir in der Meditation den Atem beobachten wird er irgendwann automatisch ruhiger. Das aktiviert den Parasymathikus, was sich wiederum auf das gesamte vegetative Nervensystem auswirkt: der Herzschlag wird verlangsamt, der Blutdruck gesenkt, was das Risiko für diverse Krankheiten verringert. Außerdem werden statt dem Stress-Hormon Cortisol vermehrt Endorphine ausgeschüttet. Diese körpereigenen „Schmerzkiller” wirken zusätzlich beruhigend, stärken die Abwehr, sorgen für besseren Schlaf, reduzieren Stress und machen uns ganz allgemein gute Laune. Was wiederum dafür sorgt, dass wir weniger anfällig für Depressionen sind.

Der Atem in der Meditation

Dieses diffuse Gefühl …

Noch ein paar Worte zum Thema Stress (Lies hier auch den Artikel zum Thema: „Was ist Stress?”) und Angst. Mit Stress verhält es sich meiner Meinung nach ein bisschen wie mit Angst: Bei beiden handelt es sich oft um eher diffuse Gefühle, die uns überrollen und dafür verantwortlich sind, dass wir uns nicht mehr „in control” fühlen. Deshalb sollten wir sobald sich etwas diffus anfühlt, genauer hinschauen um zu verstehen, was eigentlich los ist. Wie mit einem verfilzten Wollknäuel. Wenn wir das entwirren – und die Wolle steht hier stellvertretend für Ängste, Sorgen, Gedanken, anstehende To Dos – schaffen wir Klarheit. Dann sehen wir, was wirklich da ist, fernab der Gedankenkonstrukte und Hirngespinste. 

Was vor warum

Wir sehen dann besser, welche Gedanken und Gefühle gerade da sind. Hier ist es übrigens wichtig, nicht sofort ins WARUM zu springen. Erstmal geht es nur um das WAS. Wenn du darüber Klarheit hast, dann kannst du mit dem Sortieren und Priorisieren beginnen und alles, was nicht wichtig ist, loslassen. Das Wichtige kannst du anschließend ganz in Ruhe, Schritt für Schritt und nacheinander, nicht alles auf einmal angehen. Selbstbestimmt als Akteur und nicht als fremd- und ferngesteuerter Autopilot-Zombie. 

Auf in die Zukunft, bon voyage!

Meditation kann uns beim Genauerhinschauen und bei der Rückkehr in unsere eigene Kraft helfen aus der heraus wir uns bewusst entscheiden können, wohin wir den Fokus legen wollen. Und das, so meine ich, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir in dieser schneller und immer schneller werdenden Welt von heute und in Zukunft brauchen werden. In einer Zukunft, die uns keine Angst macht, auch wenn sie ungewiss ist, denn mit einem klaren Geist können wir auch mit Ungewissheit viel besser umgehen. Im Übrigen liegt es in der Natur der Sache, dass die Zukunft ungewiss ist und wenn man möchte, kann man darin sogar eine gewisse Schönheit erkennen. Stellt euch nur mal vor, wir wüssten schon immer im Voraus ganz genau, wie alles abläuft … Wäre das nicht ganz schön langweilig? 

Die Zukunft voraussehen

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gute Reise in die Zukunft! Namasté und bis bald.

Wer sich das ganze Interview anhören möchte kann das z.B. hier tun. Viel Freude beim Zuhören.

Noémie Causse

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